Schienbeinschutz Muay Thai & Kickboxen

Nach den Boxhandschuhen sind Schienbeinschützer die sinnvollste Anschaffung für Muay Thai und Kickboxen. Spätestens, wenn man regelmäßig an Sparringübungen teilnimmt, ist die Ausrüstung ein echter Gewinn fürs Training. 

Zuweilen wird von Kampfsportlern die Frage aufgeworfen, ob ein Schienbeinschutz nicht der Konditionierung abträglich ist. Im Training geschützte Schienbeine, so der Gedanke, lernen nie die wahre Härte des Lebens kennen und sind so im “Ernstfall” unbrauchbar. 

Es spricht nichts dagegen, die Schienbeine am Boxsack (oder auch am nächsten Baum) zu konditionieren. Dies sollte aber in kontrollierter Umgebung stattfinden, so dass Härte und Aufschlagpunkt des Trittes bestimmt werden können. Mit einem beweglichen Ziel ist das schwierig. 

Außerdem ist die Konditionierung des Schienbeins auch nicht das Ziel des Sparrings, sondern die Anwendung erlernter Taktiken und Techniken. Es ist absolut sinnfrei, sich bei der Gelegenheit die Schienbeine und Füße zu zerschießen und regelmäßig nach Hause zu humpeln, nur um zu zeigen, was für ein harter Kerl man ist. 

Kann ich meine Schienbeinschoner vom Fußball verwenden?

Nein. 

Größe des Schienbeinschutz für Kickboxen & Muay Thai

Die Länge der Schienbeinschützer muss passen und zwar auf das Schienbein. Die Ausrüstung also nicht nach Körpergröße oder Alter auswählen, wie bei einigen Herstellern empfohlen, sondern ausschließlich nach der Länge der Schienbeine. 

Hierfür, am besten im Sitzen, beide Schienbeine vermessen, von der Mitte des Fußgelenks bis zur Patellarsehne, unterhalb der Kniescheibe. Es ist wichtig, beide Schienbeine zu vermessen, da diese tatsächlich nicht immer gleich lang sind. Gibt es einen Unterschied, wird das kürzere Bein als Ausgangswert festgelegt. 

Mit diesem Wert lässt sich auch aus dem Internet ein passender Artikel bestellen, da hier bei guten Anbietern immer die Schienbeinlänge mit angegeben ist, manchmal allerdings nur in Inch – in diesem Fall den gemessenen Wert mit 2,54 multiplizieren

Tibia - frontal view Anatomography / CC BY-SA 2.1 JP

Der Schienbeinschutz im Kampfsport deckt die gesamte Tibia ab, von der Patellasehne bis zum Fußgelenk. Über die Kniescheibe sollte der Schutz nicht reichen, im Zweifelsfall eine Nummer kleiner kaufen. 

Befindet man sich genau zwischen zwei Größen, sollte die kleinere gewählt werden. Ein Zentimeter weniger Schutz ist zu verschmerzen, zu große Schienbeinschützer sehen hingegen schnell klobig aus und fühlen sich auch so an. Gerade beim Muay Thai sollte der Schützer nicht bei Kniestößen stören. 

Der Fußschutz geht dann idealerweise leicht über das Zehgelenk hinaus. Der Fuß selbst ist in den genannten Kampfsportarten keine Trefferfläche, dennoch ist Schutz wichtig. Wer schon mal ein paar Tritte in einer echten Sparringsituation gesetzt hat, der weiß, dass Treffer mit dem Fuß nicht immer zu vermeiden sind. 

Die Auswahl nach der Schienbeinlänge festzulegen, bedeutet natürlich auch, dass die Größe des Fußschutzes nicht immer 100% passt. Solange der Fußschutz nicht über die Zehen selbst hinausgeht, ist das irrelevant. 

Shin Guards für Kampfsport haben serienmäßig zwei Klettverschlusse, von denen einer oberhalb der Wade angebracht werden sollte, so dass vorne die Oberkante des Schutzes bis unter das Knie reicht. Die Wade sollte dann verhindern, dass der Schutz während des Trainings runterrutscht. Vorher natürlich durch die Fußschlaufen schlüpfen und diese an der Achillessehne und unter dem Fuß fixieren, hinterher wird’s ein bisschen schwierig. 

Welches Material für den Schienbeinschutz?

Ganz grob lässt sich das Obermaterial der Schienbeinschützer für Kampfsport in zwei Kategorien einteilen. 

  1. Baumwoll-Stretchgewebe
  2. PU-Leder 
  3. Echtleder

Die erste Variante findet häufig im MMA Sparring Verwendung, nämlich dann, wenn ein Kompromiss zwischen Schutz und festem Sitz gesucht wird. Das Stretchgewebe bietet weniger Schutz, die Guards selbst sitzen aber fest am Unterschenkel und verrutschen auch im Bodenkampf kaum. Weitere Vorteile: Shin Guards aus Baumwolle können in der Waschmaschine gewaschen werden und sind unschlagbar günstig, wie zum Beispiel dieses Modell von Venum

Venum Erwachsene Schienbeinschützer Kontact

  • 100% Baumwolle für besseren Komfort
  • Klettverschluß für individuelle Einstellungen
  • Schnell & einfach anzuziehen
  • Maschinenwaschbar
  • Einheitsgröße
  • Stoff behält lange die Form

Für Fans des Muay Thai Kickboxing lohnt es sich, in die geringfügig teurere, zweite Kategorie zu investieren. Da hier wesentlich mehr Tritte gesetzt werden, verliert das Baumwollmaterial zu schnell viel von seiner dämpfenden Wirkung und nach einem halben Jahr fühlt man sich, als hätte man höchstens noch dicke Socken an. Für langfristige Trainingsvorhaben im Muay Thai sind Stand up Shin Guards aus PU-Leder die richtige Wahl. 

Preise

Auch für Schienbeinschutz kann man über hundert Euro ausgeben, notwendig ist das aber, zumindest für Einsteiger, nicht. Selbst Modelle aus der unteren Preiskategorie bieten adäquaten Schutz und unterscheiden sich gar nicht so sehr von teureren Modellen, obwohl diese natürlich technisch aufwändiger hergestellt sind und im Zweifelsfall länger halten. 

Shin Guards sind extrem hohen Belastungen ausgesetzt. Qualitätsunterschiede machen sich schnell bemerkbar

Achten sollte man aber darauf, dass möglichst wenig Schnickschnack verbaut ist, um die Schienbeinschützer leicht und langlebig zu halten. Je weniger Nähte, desto besser! Noch wichtiger: die Shin Guards dürfen keine Gimmicks besitzen, an denen sich Gegner potenziell verletzen könnten. 

Zum Beispiel rühmen sich die Hersteller dieses Modells, im Gegensatz zu allen anderen Herstellern, die perfekte Stoßdämpfung entwickelt zu haben. Offensichtlich für kleines Geld. Das mag so sein oder auch nicht (den perfekten Korrekturleser haben sie noch nicht gefunden, weiter unten ist auf einmal von Kopfschutz die Rede), dennoch ist der Kauf, selbst für den Preis, nicht unbedingt zu empfehlen. 

Muay Thai Schienbeinschützer
Vorsicht: die Verbindung zwischen Shin Guard und Fußpad ist der schwächste Punkt und sollte regelmäßig geprüft werden. Hier von mir nur notdürftig geflickt.

Die Anziehhilfe und die Vernähung der Verschlüsse nahe an der optimalen Trittfläche sind potenzielle Gefahrenquellen, bei eher schmalen Unterschenkeln wird auch das Verschlussband für den Gegner spürbar sein. Das Einbringe und Vernähen eines zusätzlichen Materialstücks als Trefferfläche ist ebenfalls kritisch zu sehen. Auch hier können an der Naht gefährliche Kanten entstehen oder die Naht reißt auf und der Schutz wird unbrauchbar. Jeder mag sich selbst ein Bild davon machen, inwieweit hier Profis am Werk waren. 

Ursprünglich sollte an dieser Stelle auch ein Paar Shin Guards von RDX empfohlen werden, da der Hersteller routiniert gute Einstiegsqualität zu einem akzeptablen Preis bietet. Allerdings sind die persönlichen Erfahrungen mit dem günstigen Einstiegsmodell eher negativ. 

Die Fußpads verrutschen schnell, was eigentlich nicht passieren sollte. Gravierender noch ist die Tatsache, dass sich, zumindest im vorliegenden Fall und auch bei Trainingskollegen, die Nähte zwischen Fußpad und Shin Guard relativ schnell lösen. Das ist ein No-go für Kampfsportausrüstung. Die Bewertungen beim Amazon sind in Ordnung, dennoch kann hier guten Gewissens keine Empfehlung ausgesprochen werden. 

Von der noch relativ unbekannten Marke Ringhorns gibt es im selben Preissegment ein Modell, dass sogar wettkampfkonform ist, also keine Metallschnalle enthält (bei RDX sind Metallteile verbaut). Einziger Nachteil ist, dass das Verschlussband dadurch ein wenig breiter sein muss, dies könnte bei eher zierlichen Kämpfern ein bisschen “bulky” aussehen. 

Ringhorns Charger Schienbeinschutz

  • Hochdichter Schaum für ein perfekt Shock-absorption
  • Kunstleder: dehnbar & widerstandsfähig
  • Verstärkte Nähte an Schienbein und Fuß
  • Klettverschluß für einfaches Einstellen
  • Ohne Metallschnalle (wettbewerbskonform)

Zusätzlich, und auch hier zieht RDX ausnahmsweise den Kürzeren, sind die Fußprotektoren seitlich heruntergezogen, um die Knöchel zu schützen. Insgesamt machen die Shin Guards einen wertigen Eindruck und sollten für den Preis mal angetestet werden. 

Beide Features bietet auch das Modell Challenger von Venum. Genau wie bei den Boxhandschuhen ist die Challenger Serie das Richtige für Einsteiger, die von Anfang an brauchbare Qualität mit echtem Muay Thai Feeling haben wollen, ohne gleich ein Vermögen zu investieren. 

Venum Schienbeinschoner Challenger 2.0

  • Skintex-Leder für Langlebigkeit
  • Ergonomisch geformtes Fußbad
  • Ultraleichter & hochdichter Schaum
  • Breite Klettverschlüsse für besten Halt

Genau wie bei den Boxhandschuhen, kann man natürlich auch beim Schienbeinschutz langfristig denken und gleich wertigere Produkte kaufen, die über Jahre nichts an Qualität einbüßen. Das macht dann Sinn, wenn man a) weiß, dass man der Sportart längerfristig treu bleiben will und b) sich mit dem Kauf nicht in finanzielle Schwierigkeiten bringt.

Bei hochwertigen Shin Guards, unterhalb der Preisklasse von Top King, Hayabusa, FairTex und Twins, fällt immer wieder der Name Venum Elite. Die handgenähten und extrem haltbaren Schützer sind zwar nicht aus echtem Leder, aber aus einer pflegeleichten Skintex Legierung. Das Extra-Padding auf der Trefferfläche bietet hervorragenden Schutz und ist nicht zusätzlich vernäht, es können also auch keine Nähte aufreißen. 

Venum Elite Schienbeinschutz

  • Premium Skintex-Leder
  • Hochdichter Schaum mit zusätzlicher Polsterung für verstärkte Stoßdämpfung
  • Lightweight-Design bietet uneingeschränkte Mobilität & Speed
  • Große Klettverschlüsse für rutschfesten Tragekomfort

Sogar für ein bisschen weniger Geld gibt es von RDX schon ein nicht so bekanntes Modell, das aber immerhin aus Rindleder ist und ein Shell-Shock Gel zur Stoßfederung nutzt. Hier finden wir, im Gegensatz zu dem vorgenannten Modell von RDX, auch keine Metallösen mehr und der Fußschutz ist seitlich heruntergezogen. 

Ein Tipp noch: natürlich kann es sich auch für Einsteiger lohnen, gleich in “lebenslange Qualität” zu investieren. Hierfür gibt es auch oberhalb dieser Mittelklassemodelle noch reichlich Auswahl. Als blutiger Anfänger sieht man mit der teilweise sehr reichhaltig verzierten, thailändischen Markenware aber oftmals ein bisschen fehl am Platz aus. 

Sinnvoll wäre ein weniger auffälliges Echtleder-Modell, an dem man dann wirklich lange Jahre Freude hat und das natürlich auch alle zuvor genannten Kriterien erfüllt. In dem Fall sollte man das hart verdiente Geld in dieses Modell der Marke Twins investieren. 

Twins Schienbeinschoner SGMC-10

  • Premium-Schienbeinschoner
  • 100% Rindsleder
  • Superleicht durch Microfiber-Material
  • Handgenäht in Thailand

Pflegetipp

Stand up Shin Guards gehören nicht in die Waschmaschine und sollten daher nach jedem Gebrauch zumindest mit einem feuchten Tuch abgewischt werden. Gerade bei günstigeren Modellen lohnt es sich, die Nähte regelmäßig zu überprüfen. Angerissene Nähte sind leichter zu flicken, als ein komplett abgerissenes Fußpad. Für kleines Geld darf man keine Wunder erwarten und irgendwann wird der doch teils heftige Einschlag bei den Kicks sich den schwächsten Punkt suchen.